Space Ideologies

— 15/08/2020

Flo Kasearu, Client’s Day, 2020. Video still, 8’14’’, color, sound, 16:9, courtesy: the artist.

Ruthia Jenrbekova & Morris Getman, Nobody with a Movie Camera, 2011—2016. Digital video still, 60’, color, sound, 16:9, commissioned by Krёlex zentre, courtesy: the artists.

Senka Domanović, Occupied cinema (orig. Okupirani bioskop), 2018. Film still, 87’, color, sound, produced by This and That Productions, Serbia, and Nukleus film, Croatia.

A.S.S. Collective (Mizu Sugai & Jonathan Jung), Dawn of the Red – A Rupture in the Deep-Sleep of Capitalism, 2018. Video still, 15’12’’, color, sound, 16:9, courtesy: the artists.

D’EST: Space Ideologies

Video Screening mit Anna Engelhardt, A.S.S. Collective (Mizu Sugai & Jonathan Jung), Senka Domanović, Ruthia Jenrbekova & Morris Getman und Flo Kasearu; im Anschluss Diskussion mit A.S.S. Collective

Samstag, 15. August 2020, 19.30 h

Ort: Autoscooter, Haus der Statistik, Karl-Marx-Allee 1, 10178 Berlin

Sprache: Deutsch, Videos mit englischen Untertiteln
Flüsterübersetzungen auf Anfrage bis zum 5. August, bitte Sprache per Email: softsoil_ngbk[a]protonmail.com

„Wem gehört die Stadt?“ und „Wer darf leben und wer muss sterben?“ (Achille Mbembe 2019): Diese existentiellen Fragen hallen in städtischen Infrastrukturen, Architekturen und nicht zuletzt in den Körpern der Menschen in postsozialistischen Städten nach. Space Ideologies untersucht die asymmetrischen Auswirkungen von Privatisierung und neoliberaler Ökonomisierung auf die Bewohner*innen in Almaty, Belgrad, Berlin, Moskau und Tallinn nach 1990. Zu den Betroffenen gehören u.a. entrechtete Liefer- und Taxiarbeiter*innen wie auch kulturaktivistische Kinobesetzer*innen. Von Investment-Ruinen und anonymen Tänzerinnen im Hafengebiet von Tallinn (Flo Kasearu) bis hin zu geisterhaften Stadtlandschaften, über die soziale Ausgrenzung und Abkoppelung von Trans*Frauen in Almaty (Ruthia Jenrbekova & Morris Getman), zu den fast tödlichen Arbeitsbedingungen und dem strukturellen Rassismus, den Migrant*innen erfahren, die unter wachsamer algorithmischer Verfolgung bei der russischen Kurier- und Taxiservice-Plattform Yandex (Anna Engelhardt) arbeiten: Es wird deutlich, dass seit den 1990er Jahren prekäre Körper zur Schaffung neoliberaler Infrastrukturen ausgenutzt werden. Die abschließenden Videos mögen ‚Blitze des Erwachens‘ symbolisieren, Brüche im Gewebe neoliberaler Raumideologien: ein eindrücklicher Dokumentarfilm über Kulturaktivist*innen, die ein Kino in Belgrad besetzten und eine temporäre Mikroökonomie schufen (Senka Domanović), und ein filmisch komprimiertes, 24-stündiges Performance-Projekt vor dem umstrittenen Ernst-Thälmann-Denkmal in Berlin, das das Vermächtnis dieses politischen Führers behandelt (A.S.S. Collective). Als Antwort auf das Programm werden die Künstler*innen Mizu Sugai und Jonathan Jung vom A.S.S. Collective, die an der Schnittstelle von sozialen, politischen und künstlerischen Praktiken arbeiten, ihre Arbeit diskutieren und ihre neuen Forschungsfelder vorstellen.

Videoarbeiten/Filmausschnitte (in der Reihenfolge der Vorführung):

• „Client’s Day“ (2020), Flo Kasearu (Estnisch, englische Untertitel)
• Ausschnitt aus „Nobody with a Movie Camera“ (2011-16), Ruthia Jenrbekova & Morris Getman (Russisch, englische Untertitel)
• „Movements of Algorithmic Labour“ (2020), Anna Engelhardt (Russisch, englische Untertitel)
• Ausschnitt aus „Occupied Cinema“ (2018), Senka Domanović (Serbisch, englische Untertitel)
• „Dawn of the Red – A Rupture in the Deep-Sleep of Capitalism“ (2018), A.S.S. Collective (Mizu Sugai and Jonathan Jung) (Englisch, deutsche Untertitel)

Kuratiert von Ulrike Gerhardt und Daria Iuriichuk

Diese Veranstaltung findet im Rahmen von SOFT SOIL II/III Beyond emergency statt. Es ist ein Projekt von Jennifer Bennett, Sonja Hornung, Vicky Kiefer, siddhartha lokanandi und Sonya Schönberger, veranstaltet von der neuen Gesellschaft für bildende Kunst, Berlin.