District
Kunst- und Kulturförderung

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Discoteca Flaming Star (CGB, FP Boué, WM, Sara Pareira)

Sticky Stage

Performance, Installation im Werden, Zusammenkünfte

10 Mai 2017 - 03 Jun 2017

Discoteca Flaming Star sind ein interdisziplinär und kollaborativ arbeitendes Kunstkollektiv,   eine Gruppe von Leuten, die Liedern und anderer mündliche Ausdrucksweisen nutzen. Diese verstehen sie als persönliche Resonanzen historischer Ereignisse sowie sozialer und politischer Fakten. Durch konzeptuelle, visuelle und musikalische Transfers kreieren sie Performances, Skulpturen, Zeichnungen, Bühnen und Situationen, die alte Sehnsüchte transformieren und Vergangenheiten er-/finden. DFS ist der Ort, an dem das Orakel durch die Nichtauserwählten spricht. DFS präsentieren wunderbare Lieder von der Liebe, von Konsum, von Hingabe und von Feminismus; Teppiche zum Überqueren brennender Brücken, fragile Aufsätze als Zeichnungen, und Dinge, die zusammengehen obwohl sie nicht sollten...

Sonntag, 10. Mai – Samstag, 3. Juni
mittwochs bis samstags  14 – 18 h  (am 25.5. geschlossen)
Sticky Stage
von Discoteca Flaming Star (CGB, FP Boué, WM, Sara Pereira) kuratiert von Suza Husse
Installation im Werden 

Mit Sticky Stage schägt Discoteca Flaming Star eine Probensituation innerhalb einer dystopischen Landschaft vor. Die drei Filme Magician / Signs / Landscape (alle 2013 in Madrid aufgenommen), Poster mit Skripten und Gedichten und Dawn-Banner – riesige, den Sonnenauf- und -untergang absorbierende Stoffbahnen – und Schallwellen beruhigende Sonic Banners schaffen einen Ort, der drei Schauplätzen verknüpft: die Peripherie von Rom in Pier Paolo Pasolini’s Uccelacci e Uccelini (1966), eine 66 Morgen große Brache im Süden von Madrid, wo sich einst die Kasernen des Franco-Regimes befanden (von DFS 2013 mit einem Magier besucht), und die Rekonstruktion des Aufstandes gegen die Militärdiktatur der Junta an der Polytechnischen Hochschule in Athen 1973 durch im Exil lebende Künstler*innen und ihren Verbündeten in New York City 1974 (Jules Dassin und Melina Mercouris Film The Rehearsal). 

Die drei Schauplätze rufen dasselbe Gefühl hervor: „um hier zu sein, um mich/uns hier zu orientieren, brauche/n ich/wir Hilfe; Ich kann/Wir können hier nicht allein sein.“ In Pasolinis Film kommt Hilfe in Gestalt der eher unangenehmen Figur eines schwarzen Raben, der den Protagonist*innen unaufhörlich über das Ziel ihrer Reise ausfragt. Im Falle von The Rehearsal sind es Dokumente aus Griechenland, welche das Gerüst bilden für eine kollektive Probe von Dissidenz und Aktivismus, und es ist die Musik, die den Übergang zwischen innen und außen, zwischen hier und da, zwischen damals und heute ermöglicht. In Discoteca Flaming Stars Filmsequenzen aus Madrids Süden wird Hilfe von einer vorsprachlichen Magierin verkörpert, die Pasolinis Raben evoziert und in der Landschaft umherstreift und zu Zeichen führt, die auf poetische Distanzen und andere Orte verweisen.

 

PPP - The phases of the Raven
A sage
A knower
A moralist
A philosopher
A sage on drugs
A lovable beatnik
A poet who has nothing to lose
A figure of Elsa Morante
A Bobi Bazlen
A sublime and ridiculous Socrates
An anarchic Indian Raven
A Marxist RavenAn autobiographical figure
A metaphor of the author
> At the end relief and sadness

DFS - the phases of the magician
A tool to find
A lack of monitoring
A something with keys
A puppet with visible "hands"
A baby in Haute Couture
A magical thingA prelingual seduction
A barely-knowledge
Valentino Valentina (from reproduction to production > Mary Kelley > Post Partum Project > another PPP)
An unknown vision of life
A dancer around scraps of poetry
No end.Laughter.Singing.Feathers downwind.

 

Sonntag, 14. Mai, 19 h
The Rehearsal (1974)
von Jules Dassin und Melina Mercouri
Film Screening

A rehearsed scene can be played and replayed, in a variety of ways, until it is firmly committed to memory. In rehearsing, outsiders also seek, through repetition, to understand what has happened and to remember it.  The Olivier segment can be shown again. The poem by Seferis can be read again. The songs of Theodorakis can be sung again. The Polytechneio uprising can be remembered. Marina Kotzamani 

Der Film The Rehearsal von Jules Dassin und Melina Mercouri entstand 1974 als spontane Low-Budget-Produktion, die als ein Vehikel der Solidarität mit der pro-demokratischen Bewegung in Griechenland gemeint war. Als Brecht'sche Reinszenierung eines Studentenprotests in Griechenland sollte der Film in erster Linie über die repressive Brutalität des Junta-Regimes, sowie die Komplizenschaft der US-Regierung aufklären.

The Rehearsal basiert auf der Verschränkung von zwei narrativen Ebenen. Die erste ist die Erzählung der Filmprobe selbst (hauptsächlich in den Stimmen von Dassin und Mercury), die zweite ist eine Art Reenactment der jüngsten historischen Ereignissen im politischen Geschehen in Griechenland. In beiden Erzählebenen entsteht eine Unterbrechung durch den Moments des sich in den Schlaf Begebens. In der ersten sehen wir die Teilnehmer*innen der Filmproduktion beim Verlassen des Drehortes und auf dem Weg nach Hause oder ins Hotel. Sie erscheinen verbunden durch ihre Begeisterung gemeinsam etwas von tiefer Bedeutung zu erschaffen. Schnitt. In der Erzählebene der Geschehnisse in Griechenland, gibt es eine verstörende Szene, in der die Universitätsbesetzer*innen Schlafen gehen.

Die Bilder der auf dem Boden und Tischen liegenden Körper der schlafenden Student*innen erzeugen einen filmzeitlichen Stillstand, der die tatsächlichen Toten, die Körper, der im Militäreinsatz zu Tode gekommenen Student*innen evoziert. Den Zuschauer*innen von Dassins Film kommt die Aufgabe zu, über die Träume der Student*innen zu wachen. Auf beiden Erzählebenen verknüpft der Moment des Schlafengehens die filmische Zeit und die darin enthaltene Möglichkeit zu sterben, noch einmal zu sterben, sowie den Tod anderer darzustellen. 

Discoteca Flaming Star sind 2014 auf The Rehearsal gestoßen als sie Sticky Stage für die Präsentation in der seit den 1970er Jahren legendären New Yorker Tanz- und Performancebühne The Kitchen vorbereiteten. Der Film wurde 1974 in genau dem Gebäude  gedreht, in dem sich The Kitchen heute befindet. Durch ihre kollektive Arbeitsweise, sowie ihr Interesse an Erinnerung, Schlaf und Empathie als künstlerische Strategie war und ist diese Begegnung von großer Bedeutung für das Schaffen von DFS. Das Screening ist die erste Zusammenkunft als Teil von Sticky Stage bei District. In Berlin, wo wir leben und wo Sticky Stage nun zum ersten Mal vollständig gezeigt wird, möchten diesen Film mit Leuten teilen und diskutieren. 

Die Kopie des Films auf DVD wird von der Melina Mercouri Foundation bereitgestellt.

 

Samstag, 20. Mai, 19 h – Sonntag, 21. Mai, 8 h
Sticky Stage
von DFS (CGB, WM, Sara Pereira)
Performance

Die Performance dauert die ganze Nacht (ca. 14 Stunden). Bitte bringt Schlafsäcke, Kissen und Decken für die Nacht mit. Matten und Frühstück werden bereit gestellt. Getränke und Abendessen können vor Ort erworben werden.

Discoteca Flaming Star erzeugen einen zeitweisen Raum, in dem unsere Erschöpfung, unsere Träume sich zu einer liebevollen Phantasie verdichten. Die Performance dauert die ganze Nacht (ca. 14 Stunden), denn sie ist eine Einladung, auf einer Bühne zu schlafen, ein Vorschlag zur Durchquerung verschiedener Phasen des Performativen. Die dystopischen Landschaften der Filme, die von der Magierin bewohnt werden, und die Dawn-Banner, die die Temperatur und die Stimmung von Sonnenunter- und -aufgang aufnehmen, werden zusammengemischt mit Gedichten, Melodien und Liedern aus verschiedenen Quellen: aus The Rehearsal, von Lana del Rey, Roxy Music, Virgin Prunes, Frederico García Lorca und Rihanna. Die langen Intervalle, in sich denen einzelner Elemente der Performance wiederholen, sind charakteristisch für Gruppenproben dar. Sie schlagen ein Beharren vor – ein Beharren auf der Verbundenheit der Probenteilnehmer*innen der, ein Beharren auf der Liebe zum Kunstmachen – und ein Insistieren: Ein Insistieren, das Lied noch einmal zu singen, das Gedicht und den Text noch einmal vorzutragen, noch einmal am gleichen Ort zu schlafen, zusammen zu träumen. Wer wird über unsere Träume wachen?

 

Montag, 22 Mai, 19 h
Zusammenkunft mit Dawn-Banners
Dinner mit Nguyen Phuon Linh / Nha San Collective Hanoi und Gästen

Together with Nguyen Phuon Linh, member of the Hanoi based Nha San Collective, we will welcome guests for a dinner and conversation on Monday May 22 from 7 pm. Inhabiting Discoteca Flaming Star’s „Sticky Stage“, the talk will evolve around the artistic and collective practices presented by Nguyen Phuong Linh, around ideas of art as a rehearsal of political imagination, around learning, memory and insurrection, and around questions of performance and community. 

Linh Phuong Nguyen’s multidisciplinary practice spans installation, sculpture and video. Linh Phuong concerns about geographic cultural shift, traditional roots and fragmented history in Vietnam – a complex nexus of ethnicities, religions, and cultural and geo-political influences. Her works contemplate upon the visible/invisible truth, form and time, and convey a pervasive sense of dislocation and the ephemeral. Linh Phuong Nguyen was born and nurtured by living among and working with many of the most respected contemporary artists of the Vietnam art scene at Nha San – the first non-profit artist run art space for experimental art based in her father’s home in Hanoi. After Nha San was closed down by state authority in 2011, Linh co-found and co-directed Nha San Collective, a group of young artists dedicated to pushing the boundaries of expression in Vietnam as well as supporting other young artists in the community.

 

 

Konzept und Performance: Discoteca Flaming Star in Zusammenarbeit mit Suza Husse (Künstelrische Leitung /Kuratorin District) und District: Projektleitung: Naomi Hennig, Andrea Caroline Keppler; Kommunikation: Johanna Ekenhorst; Buchhaltung: Annett Hoffmann; Technische Unterstützung: Hassan Sulaiman, GeoVanna Gonzales.

DFS küsst und dankt Centro de Arte 2 de Mayo, Brandon La Belle (Errant Bodies), Adnan Yildiz (Künstlerhaus Stuttgart), Matthew Lyons (The Kitchen), Franziska Böhmer und Thomas Kilpper (After the Butcher), Sara Pereira (Altes Finanzamt), Ulrike Gross + Eva Marina Froitzheim (Kunstmuseum Stuttgart), Gregor Jansen (Kunsthalle Düsseldorf) + Rita McBride, Pip Day + Julia Smith (SBC Gallery), Sabeth Buchmann + Ilse Lafer + Constanze Rühm (Putting Rehearsals to the Test), die frühere Versionen von Sticky Stage beherbergt und möglich gemacht haben. 

Außerdem möchten wir allen herzlich danken, die zu der Umsetzung und Produktion dieser Arbeit beigetragen haben. Kunstmuseum Stuttgart für die Produktion der Sonic Banners, des Films On the secret sea-shore rehearsing not known what for und das Audio-Stück On a Sticky Stage. Stiftung Kunstfond Bonn für die Produktion der Dawn-Banners und die Unterstützung der Produktion in NYC. Andreas Koop schon im Voraus für das Design und die Produktion der anstehenden Publikation. Paula Barrio Perez, Rafa Suarez, Manuela und Sofia Lomba, Kathy Homans und Patterson Sims, Alison Fleminger, Blain Kennedy, Annette Koelbl, Claudia Gienger, Olli Schenkmann, Martin Feldmann und allen, die mit uns Sticky Stage  sehen, zuhören und schlafen.

Textilien: Mona Kuschel (Couturereal); Kamera: Fernando Baena; Cutting: Sara Pereira, Sebastian Bodirsky, Isabell Spengler; Audio-editing: Sara Pereira; Audio-Mastering: Stephen Betke