District
Kunst- und Kulturförderung

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Bryndís Björnsdóttir​, Landráð II: Unearthing, Performance,Nida Art Colony 2017, Foto: Emma Haugh

Landráð II: Unearthing

Performance von Bryndís Björnsdóttir

18 Nov 2017 -

Performance
18. November 2017, 16 h

Die Bergfrau (isl. Fjallkonan) ist ein nationalstaatliches Produkt. Als weibliche Personifizierung Islands hat sie ihre Wurzeln in der alten indogermanischen Mythologie und soll die Natur als einen undurchdringlichen nationalen Körper symbolisieren, wobei das die Insel umgebende Meer ihren Keuschheitsgürtel darstellt. Eine mythische, in den Köpfen männlicher Dichter des 19. Jahrhunderts entsprungene Figur, konzipiert in der selben Zeit, in der die Unabhängigkeitsbewegung im damals von Dänemark kolonisierten Island begann. Bryndis Björnsdóttir präsentiert eine hybride Version dieser Bergfrau, die draußen im Sand treulose und merkwürdige Flamencotänze vollführt, während sie in Outdoor-Bettgeflüstern den Verflechtungen von Ökosystemen nachgeht.

 

Die Performance findet als Teil des zweiten Projektes des Kollektivs The Many Headed Hydra statt. Als polyphones Orakel stellt WHEN THE SEA LOOKS BACK. A Serpent’s Tale aus den Verflechtungen von Landschaft und Technologien, Körpern und Macht neue Erzählungen her. Mit dem Meer zurückblickend, fabuliert die Vielköpfige Hydra eine Verbundenheit der Wüstenlandschaften des Südens und des Nordens – des ausgetrockneten Aralsees und der ‚Toten’ Dünen der Kurischen Nehrung – entlang der Nachbeben einer kolonialen ökologischen Moderne. Die Orakel in WHEN THE SEA LOOKS BACK behelfen sich der Imagination, der Erinnerung sowie mündlicher und visueller Übermittlungstechniken um von Diaspora- und Grenzkulturen, von geologischer Tiefenzeit und von post-imperialen Mensch-Tier-Verwandlungen zu erzählen. Entlang vergangener, zukünftiger und gegenwärtiger Uferlinien nähern sich die Beiträge mit Mitteln der bildenden Kunst, der Performance, der Musik und der Philosophie den Meeren als historische Topographien und politische Kollektivitäten. 

Ein Projekt von Nida Art Colony/Vilnius Academy of Arts und District Berlin. Unterstützt von Lithuanian Council for Culture & the Lithuanian Ministry of Culture, Goethe Institut Litauen, Arts Council of Ireland und Nordic-Baltic Mobility Programme