District
Kunst- und Kulturförderung

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(Dis)playing paper, hours and constellations #3

Geschmack posierend

Roman Schramm und Paul Sochacki mit SKULPI III

04 Apr 2013 - 25 Mai 2013

Dienstag bis Samstag 12 bis 18 Uhr

Wäre SKULPI ein Atelier, wären die Wände seidene Schleier, unsere Füße trägt ein Spiegel. Eine Gestalt erscheint in der Ferne, Klänge erfüllen den Raum, Trennlinien weichen Blicken.Aus der Nähe erscheint ihr Kontext relevant, sie betrachtet den Schatten Ihres Materials, im Spiegel, im Spiel.Das Gewissen ist ein Poet, der Theoretiker ein Lied, der Psychologe untersucht den Journalisten.

 

Das kollaborative Projekt Geschmack posierend der Künstler Roman Schramm und Paul Sochacki bildet den dritten Teil der Reihe von Ausstellungsexperimenten und performativen Übungen unter dem Titel (Dis)playing paper, hours and constellations. In Vorbereitung auf die nächste Ausgabe des jährlich erscheinenden Künstlermagazins SKULPI, entwickeln Schramm und Sochacki ihren Dialog als offene, den Besucher_innen zugewandte Geste. Geschmack posierend formulieren sie als Einladung, sich in die disziplinüberschreitenden Gespräche und variierenden Konstellationen hineinzubegeben, aus denen SKULPI seit 2010 entsteht.

Mit jeder Ausgabe erkunden Schramm und wechselnden Künstler_innen in gemeinsamer Autorenschaft die Möglichkeiten des Mediums zur Formulierung als auch multiperspektivischen Erweiterung der Position künstlerischer Subjektivität. SKULPI I geht dabei Fragen der Übersetzung von Skulptur in andere Medien nach und bringt eine Oper, Stimmexperimente und Zauberei mit Untersuchungen zu Dörfern, Handlungsplastiken und Marzipan in unerwartete Zusammenhänge. SKULPI II hingegen ist dem Porträt mit und ohne Kopf gewidmet sowie Überlegungen zur Befreiung der Kunst von ihrem Kontext.

 

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(Dis)playing paper, hours and constellations
kuratiert von Susanne Husse

Ausgangspunkt für die Serie (Dis)playing paper, hours and constellations bilden unterschiedliche Formen künstlerischer Publikationsprojekte bzw. bildnerisch erweiterter Zeichen- und Schreibpraxis. Zwischen Januar und Mai 2013 präsentiert District Kunst- und Kulturförderung Berlin unter diesem Titel vier Ausstellungsexperimente und performative Übungen, die Künstler_innen, Theoretiker_innen und Kurator_innen aus den Editions- bzw. Magazinformaten ScriptingsVOLUMESKULPI III und dem Forschungsprojekt zu zeitgenössischen Musiknotationen, VISUAL AID, heraus entwickeln.

Anknüpfend an die Vorstellung eines durch die Veröffentlichung hervorgerufenen diskursiven und sozialen Raums, der zuerst aus der gedanklichen Verbindung einer mehr oder minder zufälligen Konstellation von Leser_innen und Autor_innen entsteht, interpretiert (Dis)playing paper, hours and constellations die ausgewählten Publikationen und Dokumente als Notationen für die Erprobung temporärer Gemeinschaften. Der Notationscharakter oder die „Zukunftseigenschaft“ der Dokumente, sich als Skripte, Skizzen oder Partituren für räumliche Versuchsanordnungen und Handlungsmotivationen lesen zu lassen, wird damit auch zur hypothetischen Gesellschaft von Individuen, Objekten, Bildern, Klängen und Gedanken.

(Dis)playing paper, hours and constellations aktiviert den Begriff der Probe auch für das Nachdenken über die Räume und Präsentationszusammenhänge zeitgenössischer Kunst. Die mobile Architektur The Turtle II des Künstlers und Architekten Luis Berríos-Negrón dient als modularer Schauplatz mit insgesamt 48 Mikroräumen, innerhalb bzw. anhand derer die  Teilnehmer_innen kritische, utopische und humorvolle Display-Modelle vorstellen. Die vier unabhängig voneinander entstehenden Projekte ziehen nacheinander in die Architekturskulptur im Kabinettraum von District ein, um sich in spannungsreichen Nachbarschaften zufälliger Bezüge und konkurrierenden Behauptungen zu ergänzen.