Künstlerische Forschung im Archiv der DDR-Opposition (Arbeitstitel)

01/09/2018 — 20/12/2018

Arbeitstisch zu Grauzone - Feministischer Widerstand im Archiv der DDR-Opposition

Ausstellung, Veranstaltungen, Publikation

Ein Kooperationsprojekt zwischen District Berlin und dem Archiv der DDR-Opposition / Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.

SEPTEMBER – DEZEMBER 2018

Die Erfahrung des gemeinsamen widerständigen Lebens in der, von jeder utopischen Zukunft gelösten Gegenwärtigkeit der späten DDR harrt im Jahr 2018 immer noch einer differenzierten öffentlichen oder gar künstlerischen Bearbeitung. Im von der Robert-Havemann-Gesellschaft betriebenen Archiv der DDR-Opposition ist diese Geschichte umfassend dokumentiert. Die dort versammelten Fotos, Plakate, Transparente, Briefe, Film- und Tondokumente, etc. zeichnen ein Bild der oppositionellen Frauen-, Friedens- und Umweltgruppen, kirchlichen und nichtkirchlichen Initiativen der DDR, in deren Aktivitäten sich – entlang des Versprechens wie des Scheiterns des Staatssozialismus – ganz eigene Praktiken und Gesellschaftsprojektionen entwickelten. Sie dokumentieren auch, wie diese in der kurzen, euphorischen Hochzeit der Bürgerbewegungen und neuen Parteien von 1989/90 noch einmal an Form und Wirkmacht gewannen, bevor sie sich in der Nachwendezeit in eine fast vollständige historische Unkenntlichkeit verloren.

Das Projekt geht mit künstlerischer Sensibilität der Aktualität dieser überhörten Geschichte/n, utopischen Realitäten und Zukunftsvorstellungen auf die Spur und setzt sie – mittels einer Ausstellung, einer Publikation und einem Veranstaltungsprogramm – mit den Kulturen und Politiken einer krisenhaften Gegenwart in Dialog. Es schließt an aktuelle künstlerische Formen des Arbeitens mit Archiven an, die nicht nur die historischen Inhalte der Dokumente, sondern auch die archivarische und historisierende Praxis an sich als ein Feld der konzeptuellen und ästhetischen Bearbeitung in den Blick nehmen.

Grundlage für das Projekt ist die Zusammenarbeit von geladenen Künstler*innen/Akteur*innen mit den Initiatorinnen und den beteiligten Institutionen (District und Robert-Havemann-Gesellschaft) an der künstlerischen Erforschung und Bearbeitung der Bestände des auf dem Campus der Demokratie (ehemalige Stasi-Zentrale) ansässigen Archivs. Es involviert internationale Akteur*innen, die sich in verschiedenen Formaten, in vielen Fällen aus sub- und gegenkultureller, queer-feministischer, de- und post-kolonialer Perspektive, mit den zentralen Themen des Projektes beschäftigen: mit Archiven oder archivarischen Materialien, der Repräsentation von Geschichte, der konkreten Geschichte der ehemaligen staatssozialistischen Länder und ihrer Dissidenzen sowie anderer internationaler Umwelt-, Frauen*-, Menschenrechts-, und Friedensbewegungen.

Künstlerische Leitung: Suza Husse und Elske Rosenfeld

Künstlerisch Forschende im Archiv: Anna Zett, Claude Gomes und Saskia Köbschall, Elsa Westreicher, Elske Rosenfeld, Henrike Naumann, Kai Ziegner, Kollektiv der Raumerweiterungshalle, Nadia Tsulukidze, Suza Husse, u.a.

Archivar*innen: Rebecca Hernandez Garcia, Frank Ebert, Christoph Ochs, Olaf Weißbach

Künstlerische Forschung im Archiv der DDR-Opposition wird gefördert vom Hauptstadtkulturfonds und unterstützt vom Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.