Talking Blues

— 22/09/2018

Abisag Tüllmann, Demonstration für die Freilassung von Angela Davis, Frankfurt a. M., 1972 / bpk.

Lecture Performance im Rahmen von Revolt she said

mit Dr. Natasha A. Kelly (Kuratorin, Autorin und Wissenschaftlerin), Dr. Corina Shika Kwami (Künstlerin) und Kelvin Sholar (Musiker)

Samstag, 22. September 2018, 19 h

Dr. Natasha A. Kelly, Dr. Corina Shika Kwami und Kelvin Sholar rekapitulieren in Talking Blues die Geschehnisse der 60er Jahre und übersetzen die Rolle der Schwarzen und PoC Aktivist*innen in Deutschland (Ost und West), wie Angela Davis, in eine Blues Lecture Performance, um die weißen Erzählungen dieses für die Bundesrepublik so konstitutiven Moments zu dekonstruieren und aus den Perspektive der damals aktiven antikolonialen, diasporisch-feministischen und Schwarzen Organisationen (wieder) zu erzählen und hörbar zu machen.

Angela Davis, die Wissenschaft und politische Aktivität, Theorie und Praxis miteinander verknüpfte, ist eine der wenigen bekannten Schwarzen Protagonist*innen der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung und für die Rechte der Frau in Deutschland der 60er Jahre. Aktiv im SDS, nahm sie an Protestaktionen gegen den Vietnamkrieg teil. 1967 kehrte sie in die USA zurück, da die Schwarze Freiheitsbewegung dort ein neues Stadium erreichte. Gegen ihre Verhaftung entwickelte sich eine über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinausreichende Welle des öffentlichen Protests.

Talking Blues zielt darauf ab zu zeigen, welchen Einfluss die Schwarze feministische Tradition der mündlichen Überlieferung insbesondere in den 60er Jahren hatte. Ausgehend von Angela Davis’ Blues Legacies and Black Feminism (1998), in der es um die Erforschung der feministischen Implikationen des Blues geht, erarbeiten Kelly, Kwami und Sholar unter Verwendung von Aufnahmen von Angela Davis und anderen politischen Aktivist*innen der 60er Jahre einen Dialog mit Melodien Schwarzer weiblicher Bluesikonen, wie Nina Simone, Miriam Makeba und Fasia Jansen.

Sie artikulierten kraftvoll ein alternatives Bewusstseins, das zutiefst im Widerspruch zur amerikanischen Mainstream-Kultur stand und die Grundlagen für eine Ästhetik legten, die soziale, moralische und sexuelle Werte außerhalb der Beschränkungen erlaubte. Die Wurzeln des Blues gehen hier über eine musikalische Tradition hinaus, um als ein bewusstmachendes Vehikel für das amerikanische soziale Gedächtnis zu dienen. Kelly, Kwami und Sholar verknüpfen diese Tradition des weiblichen Blues mit der Geschichte Schwarzer und PoC Aktivist*innen in den 1960er Jahren wie Angela Davis.

 

Die Reihe Revolt she said ist kuratiert von Andrea Caroline Keppler (District Berlin), Dr. Katharina Koch und Dorothea Nold (alpha nova & galerie futura) im Gespräch mit Karina Griffith (District Atelierstipendiatin 2018 und Recherchestipendiatin Decolonizing 68) sowie Sharon Adler, Madeleine Bernstorff, Dr. Lisa Glauer, Dr. Natasha A. Kelly, Martina Kofer, Dr. Corina S. Kwami, Dr. Peggy Piesche, Kelvin Sholar, Merle Stöver und PD Dr. Anja Zimmermann.

Revolt she said ist eine Kooperation von alpha nova & galerie futura und District Berlin.