Revolt She Said

15/09/2018 — 06/12/2018

Abisag Tüllmann, Demonstration für die Freilassung von Angela Davis, Frankfurt a. M., 1972 / bpk.

Karina Griffith, We Call It Love: An Oppositional Screening, 2018. Photo: Luisa Jürgens

Westberliner Komitee für die Rechte der Frau, 20.11.1976, Foto: Jürgen Henschel, Quelle: FHXB Friedrichshain- Kreuzberg Museum. Alle Rechte vorbehalten.

Dekoloniale und feministische Perspektiven auf 68

Gespräch, Lecture Performance, Vortrag, Filmscreening, Workshop, Stadtspaziergang

15. September – 6. Dezember 2018

50 Jahre 1968 nehmen wir (alpha nova & galerie futura und District Berlin) zum Anlass, uns aus feministischer und dekolonialer Perspektive mit den Protestbewegungen im Deutschland der 60er Jahre zu beschäftigen, die auch den Bereich der Kunst völlig neu definierten. Uns bewegt die Frage, welche Geschichten, Akteur*innen und Stimmen in den dominanten Narrativen über 1968 bislang unsichtbar bleiben und wie diese für die Reflexion und Gestaltung gegenwärtiger und zukünftiger gesellschaftspolitischer Prozesse und Forderungen re-aktualisiert werden können.
In diesem Sinne möchten wir mit der Veranstaltungsreihe Revolt she said die Produktion von Geschichte und Geschichtsschreibung hinterfragen und die Bewegungen jener Zeit aus den Perspektiven ihrer feministischen, anti-kolonialen, diasporischen, migrantischen, jüdischen und Schwarzen Organisierungen (neu) erzählen.
In Lecture Performance, Vortrag, Filmscreening, Gespräch, Workshop und Stadtspaziergang öffnet sich das Projekt für ein breites, generationsübergreifendes Publikum. Die vielfältigen Formate bieten Möglichkeiten, sich über historische Zusammenhänge, verschüttetes Wissen und aktuelle Erinnerungskultur zu informieren, und sich aktiv an neuen Erzählungen zu 68 zu beteiligen.

Mit: Sharon Adler, Prof. Liz Bachhuber, Madeleine Bernstorff, Prof. Dr. Stefanie Endlich, Dr. Lisa Glauer, Karina Griffith, Dr. Natasha A. Kelly, Martina Kofer, Prof. Azade Köker, Dr. Corina S. Kwami, Shlomit Lehavi, Nathalie Anguezomo Mba Bikoro, Dr. Peggy Piesche, Elianna Renner, Robert Schmidt-Matt, Dr. Gabriele Schor, Valeria Schulte-Fischedick, Kelvin Sholar, Merle Stöver, PD Dr. Anja Zimmermann

 

PROGRAMM

Samstag, 15. September 2018, 19 h
Uncracking the Archive
Gespräch mit Karina Griffith (Künstlerin, Kuratorin und Filmemacherin), Nathalie Anguezomo Mba Bikoro (Künstlerin, Kuratorin) und Dr. Natasha A. Kelly (Kuratorin, Autorin und Wissenschaftlerin)
Ort: District Berlin

 

Samstag, 22. September 2018, 19 h
Talking Blues
Lecture Performance mit Dr. Natasha A. Kelly (Kuratorin, Autorin und Wissenschaftlerin), Dr. Corina S. Kwami (Künstlerin) und Kelvin Sholar (Musiker)
Ort: District Berlin

 

Donnerstag, 18. Oktober 2018, 19 – 22 h
Sexuelle Selbstbestimmung und Antikoloniale (Befreiungs)Bewegungen 
Workshop mit Dr. Peggy Piesche (Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Gunda-Werner-Institut)
Ort: District Berlin

 

Mittwoch 24. Oktober 2018, 19 h
Feministische künstlerische Positionen im Spiegel ihrer Materialitäten
Round-Table-Diskussion mit Dr. Gabriele Schor (Sammlung Verbund, Wien) und Prof. Liz Bachhuber (Bauhaus-Universität Weimar), Moderation: Dr. Lisa Glauer
Ort: alpha nova & galerie futura

Die feministische Kunst ab 1968 lässt sich nicht nur hinsichtlich ihrer thematischen Auseinandersetzungen genauer bestimmen, sondern auch insbesondere durch eine Neuaneignung von Medien und Materialitäten. Die Entstehung einer spezifisch auszumachenden Ästhetik und Ausdrucksform ist auch durch ein sich formierendes neues Selbstbewusstsein entstanden, weiblich konnotierte Materialien in der Kunstproduktion zu aktualisieren sowie den weiblichen Körper als Primärmedium der Selbstbestimmung einzusetzen. Die Veranstaltung beleuchtet, wie die konkrete Verschränkung von Materialität und Medien mit Inhalten und Deutungsweisen der feministischen Kunstproduktion verbunden sind.

 

Donnerstag, 1. November 2018, 19 h
Erfahrungen, Brüche, Perspektiven. Jüdische Feministinnen über Kunst und Politik seit 68
Präsentationen und intergenerativer Round-Table mit Sharon Adler (AVIVA-Berlin, Stiftung ZURÜCKGEBEN), Shlomit Lehavi (Künstlerin), Elianna Renner (Künstlerin), Moderation: Merle Stöver (Stiftung ZURÜCKGEBEN)
Ort: alpha nova & galerie futura

Die Veranstaltung mit künstlerischen Präsentationen und einem intergenerativen Round-Table Gespräch widmet sich den Perspektiven und Erfahrungen jüdischer Feministinnen, Künstlerinnen und Kulturschaffenden, die 1968 und danach aktiv waren und auf ein Klima trafen, was auch in der Linken teilweise antisemitisch geprägt war, zumindest jedoch sehr anti-israelisch. Dazu soll der Bogen bis in die Gegenwart gespannt werden, um zu ergründen, wie sich jüdische Künstlerinnen und Intellektuelle heutzutage positionieren und welche Erfahrungen zu/in verschiedenen Zeiten und Gesellschaftskontexten gemacht wurden und werden.

Anmeldung bis zum 31.10.: info@stiftung-zurueckgeben.de
In Kooperation mit der Stiftung ZURÜCKGEBEN – Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft.

 

Samstag, 17. November 2018, 13:30 – 16 h
Ton Steine Wasser – Künstlerische Formen der Neugestaltung Westberlins nach 68
13:30 h Moderierter Spaziergang zu den Skulpturengruppen
14:30 h Gesprächsrunde in der GalerieMit Prof. Azade Köker (Künstlerin), Prof. Dr. Stefanie Endlich (Publizistin, Honorarprofessorin UdK), Robert Schmidt-Matt (Bildhauer)
Moderation: Martina Kofer (Literaturwissenschaftlerin)
Ort und Treffpunkt für den Spaziergang: alpha nova & galerie futura

Ein Spaziergang mit der Künstlerin Azade Köker zu den in den 1980er Jahren entstandenen künstlerischen Projekten „Menschenlandschaft“ am Schlesischen Tor und „Cuvrybrunnen“ in der Cuvrystraße soll an die sowohl künstlerische als auch kiezspezifische Entstehungsgeschichte der Skulpturengruppen erinnern. Am Schlesischen Tor belebten 1987 acht Künstler*innen unterschiedlicher Herkunft, unter ihnen auch Azade Köker, das damalige karge Terrain in unmittelbarer Nähe zur West-Ost Grenze. Die zwischen 1983 und 1985 entstandene Brunnenanlage in der Cuvrystraße zeigt einen Schiffsrumpf als Ausgangsform, der ein Gesamtensemble der verschiedenen Stile der Künstler*innen, darunter Azade Köker und Robert Schmidt-Matt bildet. Beide Projekte sind nicht nur ein sichtbares Zeichen für die auch kosmopolitisch beeinflusste künstlerische Mitgestaltung des öffentlichen Raums. Sie sind darüber hinaus Erinnerungsorte der initiativen Kiezgestaltung durch seine Bewohner*innen in den 1970er und 80er-Jahren. Von daher bergen die Kunstwerke vor allem Geschichten des politischen, künstlerischen und interkulturellen Zusammenlebens, die für den Stadtteil Kreuzberg spezifisch sind, heute allerdings weitgehend vergessen sind.
Mit Azade Köker soll dabei vor allem an die weibliche Geschichte der Kunstproduktion erinnert werden. Wie mit ihrer Skulptur Die Begegnung am Schlesischen Tor und ihren Frauenfiguren als Teil des Cuvrybrunnens wählt sie immer wieder Frauengestalten und -geschichten zum Thema ihres künstlerischen Schaffens. Im Anschluss an den Spaziergang bietet ein moderiertes Gespräch mit Prof. Azade Köker, Prof. Dr. Stefanie Endlich und Robert Schmidt-Matt Raum für einen Austausch zwischen und mit den maßgeblichen Akteur*innen der Kreuzberger Kunstproduktion.

 

Donnerstag, 22. November 2018, 19 h
Revolt She Felt.
Film(e) und Gespräch mit Karina Griffith (Künstlerin, Kuratorin und Filmemacherin) und Madeleine Bernstorff (Filmkuratorin, Autorin, Dozentin)
Ort: alpha nova & galerie futura

In ihrem Buch „Ugly feelings“ entwickelt Sianne Ngai den Begriff der Irritation als einen Affekt von verhaltener Wut. Dieses Filmprogramm untersucht wie tiefgreifende Irritation – ihrer Vieldeutigkeit entledigt – in einigen um und nach 1968 entstandenen Filmen politische Umbrüche katalysiert hat. Angelpunkt des Programms ist der Film KATHLEEN UND ELDRIDGE CLEAVER IN ALGIER. Im Exil-Büro der Black Panther Party in Algier entwickeln die beiden BPP-Aktivisten ihre Idee von Widerstand. Aufgezeichnet von der feministischen Filmemacherin Claudia von Alemann im Januar 1970, sprechen die Cleavers mit zusammengebissenen Zähnen von ihrem politischen Kampf, nicht ohne eine Verbindung zu Westdeutschland herzustellen. Irritation unterwandert die Stereotypen der ‚wütenden schwarzen Frau‘ oder der ‚hysterischen Hausfrau‘ um eine gangbarere Position andauernden Verdrusses vorzustellen. In den filmischen Arbeiten ist dieser feministische Ansatz, Wut in Irritation zu übersetzen eine effektive und affektive Strategie um Reibung, Diskurs und eine Verbindung zu revolutionären Forderungen herzustellen.

Filmprogramm:

DIE KOLLWITZ UND IHRE KINDER

[© HFF, Regie: Christa Mühl, 1971, 10 min]

KATHLEEN UND ELDRIDGE CLEAVER IN ALGIER
[© Alemann Filmproduktion Köln, Regie: Claudia von Alemann,1969, 22 mins]

DIE SCHÖNHEITSVERSCHWÖRUNG
[© DFFB, Regie: Tsitsi Dangarembga, 1994, 14 min]

LANDING
© DFFB/Okpako, Regie: Branwen Okpako, 1995, 10 min]

 

Donnerstag, 6. Dezember 2018, 19 h
1968ff – Kunst, Feminismus, Politik
Heftvorstellung und Vortrag PD Dr. Anja Zimmermann (Hg. FKW, wiss. Autorin, ZFG Oldenburg), Valeria Schulte-Fischedick (Kunsthistorikerin, Internationales Atelierprogramm Künstlerhaus Bethanien)
Ort: alpha nova & galerie futura

PD Dr. Anja Zimmermann stellt das neueste Heft zu 1968ff – Kunst, Feminismus, Politik der Zeitschrift FKW//Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur vor. Dabei geht es um die Geschichte der Zeitschrift als feministische Revision und Anknüpfung an 1968 und um ein konkretes Beispiel: die queer-feministische Kunstkritik vor, um und nach 1968, die die Einsicht ermöglicht, dass 1968 nicht so 68 und der Post-Minimalismus nicht so post ist, wie es zunächst scheint.

 

Die Reihe Revolt she said ist kuratiert von Andrea Caroline Keppler (District Berlin), Dr. Katharina Koch und Dorothea Nold (alpha nova & galerie futura) im Gespräch mit Karina Griffith (District Atelierstipendiatin 2018 und Recherchestipendiatin Decolonizing 68) sowie Sharon Adler, Madeleine Bernstorff, Dr. Lisa Glauer, Dr. Natasha A. Kelly, Martina Kofer, Dr. Corina S. Kwami, Dr. Peggy Piesche, Kelvin Sholar, Merle Stöver und PD Dr. Anja Zimmermann.

Team
Kommunikation: Johanna Ekenhorst, Kuratorische Assistenz: Luisa Jürgens, Grafik: Stephanie Rau (operative.space), Übersetzung: Jesi Khadivi

Revolt she said ist eine Kooperation von alpha nova & galerie futura und District Berlin. Mit freundlicher Unterstützung durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

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