QuaRANTine Choir

02/06/2020 — 31/10/2020

Eine Serie von Audio-Performances für Mobiltelefone

Künstler*innen der ersten Edition: Nora Turato, Moriah Evans, Félicia Atkinson, Rosaceae, Astrit Ismaili, Hanne Lippard, Fauna (Rana Farahani), Georgia Sagri, keyon gaskin, and Nguyễn + Transitory

Künstler*innen der Minneapolis Edition: Andrea Jenkins, Maria Isa, Cameron Downey, Ifrah Mansour, Kimberly Bradley, Sarah Petersen, Sarah White, Madeline Stillwell und weitere

Neuer Track jeden Dienstag 18 h (CET), Beginn 2. Juni 2020 bis open end

Ort: Soundcloud

QuaRANTine Choir ist eine wachsende Sammlung an neu produzierten Audioarbeiten von einer Gruppe internationaler Künstler*innen aus verschiedenen Bereichen. Motiviert von feministischen und queeren Perspektiven, widmen sie sich dem “rant” (dt. Schimpftirade, Wortschwall, Wutrede) als künstlerisches Format. Wir verstehen die Serie als einen verstreuten und dennoch kollektiven Chor, der nur zeitlich und räumlich voneinander verschoben ist. Jede*r Künstler*in nimmt den vorherigen Rant als Ausgangspunkt und fügt so dem QuaRANTine Choir eine neue Stimme hinzu.

Für das digitale Community und Audioprojekt QuaRANTine Choir laden wir mindestens 10 Künstler*innen und Musiker*innen ein, mit den Begriffen ranting und queer/feministischem Lärm zu experimentieren und daraus eine kurze Audio-Performance zu entwickeln. Als Aufnahmegerät dient ihr Mobiltelefon oder alternatives mobiles Endgerät. Da jeder Rant zum*r jeweils folgenden Künstler*in als Ausgangsmaterial geschickt wird, ist die Serie auch eine Art verlangsamte künstlerische Kettenreaktion.

 

Die erste Ausgabe, die vom 3. Juni bis zum 4. August 2020 lief, funktionierte als verstreuter und dennoch kollektiver Chor, der nur zeitlich und räumlich voneinander verschoben war.

Rant #1: Nora Turato
Die erste Audio Performance ist von Nora Turato, eine Künstlerin mit Wohnsitz in Amsterdam, die in ihren Performances eine Kakofonie von Stimmen sowie eine Mischung aus Quellenmaterialien miteinander verschmilzt und dabei versucht, vorgefasste Ideen von Femininität zu demontieren. Unaufhörlich fordert die Künstlerin Nora Turato in ihren Performances “ein fast unsinniges Begehren danach, in der Öffentlichkeit zu laut, zu viel, instabil und möglicherweise verrückt zu sein und etwas daraus zu machen”; weitgehend deshalb, weil die allgemeine Öffentlichkeit nicht dafür bereit zu sein scheint, dass eine Frau schreit, schimpft, tratscht, heult, oder sie niederstarrt.

Rant #2: Moriah Evans
Die zweite Audio-Performance ist von Moriah Evans, einer New Yorker Choreografin, die an und mit Formen von Tanz und Performance arbeitet. Ihre Choreografien navigieren utopische und dystopische Potentiale in Choreografie/Tanz/Körper. Meist nähert sie sich dabei Tanz als eine fleischige, matriarchale Form zwischen Minimalismus und Exzess.

Rant #3: Felicia Atkinson
Die dritte Audio-Performance „None of These Two Things“ ist von der bildenden Künstlerin, experimentellen Musikerin und Dichterin Felicia Atkinson. Felicias Arbeit beschäftigt sich mit Themen wie deep listening, Fragmenten, Stille, Lärm und Sprache und ist eine Kombination aus Improvisation und überlagerter Komposition als abstraktes gewebtes Material, bei dem die Stimme auf Elektronik, akustische Instrumente und elektrische Verzerrungen trifft.

Rant #4: Rosaceae
Die vierte Audio-Performance stammt von der Hamburger Künstlerin Rosaceae. Ihre Arbeiten verbinden Video, Performance und Sound und erstrecken sich von Ambient, gelegentlich hartem Noise und Collagen aus Sound Artefakten, die oft auf Lieder, Geschichten und found footage aus dem Kontext des kurdischen Widerstands zurückgehen. Auf diese Weise schaffen sie eine futuristische Form von Widerstandsfähigkeit durch Sound. Im Frühling 2019 veröffentlichte Rosaceae ihre erste EP Nadia’s Escape gefolgt von dem Debutalbum Efia, welches am 26. Juni 2020 auf dem Label Pudel Produkte des Golden Pudel Clubs veröffentlicht wird.

Rant #5: Astrit Ismaili
Die fünfte Audio-Performance stammt von Astrit Ismaili, in Amsterdam lebende*r Performance-Künstler*in aus Pristina, Kosovo. Ihre Arbeit suggeriert Körper, die sowohl aus imaginären als auch aus materiellen Realitäten bestehen, wobei Konzepte des Alter Ego, von Körpererweiterungen und tragbaren Musikinstrumenten verwendet werden, um verschiedene Möglichkeiten des Werdens zu verkörpern. In Astrits Praxis wird der Akt des Singens verwendet, um die Rolle der Stimme in der Popkultur und Identitätspolitik zu untersuchen. Den Kosovo-Krieg mitzuerleben, ein Popstar zu sein und sich als queere Person zu identifizieren, sind Erfahrungen, die ihre Praxis beeinflussen.

Rant #6: Hanne Lippard
Die sechste Audio-Performance „Intestine!“ stammt von der in Berlin lebenden Künstlerin Hanne Lippard, deren Praxis die Stimme als Medium spielerisch und mit Witz erforscht und untersucht, wie Sprache visuell kraftvoll sein kann. Lippards Texte sind rhythmisch und performativ und nehmen ihren Kontext oft als Ausgangspunkt für eine kritische, aber oft humorvolle Untersuchung, die Mängel und Defekte der dominanten normativen Strukturen aufdeckt.

Rant #7: Fauna
Die siebte Audio-Performance stammt von der experimentellen Club-Musikproduzenten Fauna (Rana Farahani), die zurzeit in Wien lebt und arbeitet. Zwischen technologischem Selbst, politischem Engagement und Eindrücken des täglichen Lebens oszillierend formuliert Fauna dystopisch-futuristische, bewegungsbasierte Tracks, die immer stark von der persönlichen Stimmung abhängen, und auf den individuellen Kontext sowie auf umgebende Ereignisse und Entwicklungen reagieren.

Rant #8: keyon gaskin
Die achte Audio-Performance stammt von keyon gaskin, in Portland lebende*r Künstler*in. keyon gaskin ziehen es vor, dass ihre Kunst nicht mit Referenzen oder Qualifikationen kontextualisiert wird.

Rant #9: Georgia Sagri
Die neunte Audio-Performance stammt von der in Athen lebenden Künstlerin Georgia Sagri. Sagris Praxis untersucht Performance als ein sich ständig weiterentwickelndes Feld innerhalb des sozialen und visuellen Lebens, besonders durch ihr Engagement in politischen Bewegungen und Kämpfen, sowie in Bezug auf Fragen der Autonomie, Ermächtigung und Selbstorganisation.

Rant #10: Nguyễn + Transitory
Die zehnte und letzte Audio-Performance stammt von Nguyễn + Transitory, bestehen aus Nguyễn Baly and Tara Transitory. Den Gebrauch von Samples vermeidend, arbeiten sie hauptsächlich mit Modular Synthesizern und analogem Tape. Dabei wollen sie sich Sound, Synthese, Noise, Rythmus und Performance aus einer weniger kolonialen Perspektive nähern – sie untersuchen die Beziehungen von Frequenzen, der Physikalität von Soundproduktion und ihrer beiläufigen Vibrationen zu kognitiven Erinnerungen, gespeicherten Emotionen und Katharsis. Neben ihrer künstlerischen Praxis betreiben sie auch ihr eigenes Mastering-Studio Queer Ear Mastering.

 

Für die Minneapolis Edition wird eine illustre Gruppe von Künstler*innen, Musiker*innen, Aktivist*innen und Poet*innen eingeladen, aus ihrer Sicht die Geschehnisse in und um Minneapolis/St. Paul zu reflektieren.

Rant #1 Mpls Edition: Andrea Jenkins
Die erste Audio-Performance der Minneapolis Edition stammt von Andrea Jenkins, Politikerin, Künstlerin und Aktivistin. Jenkins wuchs in den 1960er Jahren in Chicago auf, nahm an der aufstrebenden Black Arts Bewegung der Stadt teil und entdeckte ihre Stimme als Dichterin. Nach ihrem Umzug nach Minneapolis war sie fast zwei Jahrzehnte lang als politische Beraterin und Oral Historian tätig, bevor sie Stadträtin wurde. Sie ist die erste afro-amerikanische offen transgender Frau, die in ein öffentliches Amt in den USA gewählt wurde.

Rant #2 Mpls Edition: Maria Isa
Die zweite Audio-Performance der Minneapolis Edition stammt von Maria Isa, Sängerin, Songwriterin, Schauspielerin, Rapperin, Aktivistin, Jugendarbeiterin und Aufnahmekünstlerin, die in Minnesota geboren und im West Side Barrio von St. Paul aufwuchs. In ihrer Kindheit und Jugend war Isa umgeben und beeinflusst von vielen verschiedenen Rhythmen der afro-lateinamerikanischen Kultur, die sie schon in jungen Jahren in darstellende Kunst und Aktivismus übertrug. Sie studierte bei Meistermusikern der Afro-Boricua-Musik von Bomba und Plena aus Puerto Rico, die Isa alle dazu inspirierten, einen Afro-LatinX- und Hip-Hop-Lyrik-Performance-Stil zu kreieren.

 

Team – Konzept & Produktion: Line Spellenberg & Sandra Teitge; Zusätzliche Musik: Kolbeinn Hugi; Grafik: Wiley Hoard, Youngran Park

Unterstützt von: Goethe Institut Chicago und District * Schule ohne Zentrum, Berlin